Tanja Badenhop

Poem

kleiner Vogel auf Ast im Winter

 

Du öffnest deine Seele

ich schaue tief hinein;

ich möchte dir nur sagen

Du bist niemals allein.

 

Dein sanftmütiger Geist

so wundervoll und frei;

kalte Nebel-Ketten

beschweren dich wie Blei.

 

Bade in dem Licht des Lebens,

tauche dort hinein.

Erhebe dich zum Atmen

und glücklich wirst du sein.

Ein Gedanke

Jeder Weg den wir einschlagen,

war einmal ein Gedanke:

einfach, grenzenlos und frei.

Die Kunst des Lebens besteht darin,

diese Eigenschaften des Gedankens auf unserem Weg zu waren.

Elfriede Meyer

Grenzen und Mauern

Über zu enggezogenen Grenzen

fliehen leichtfüßig Freude und Heiterkeit.

 

Zurück bleiben, die Anwesenheit

hartnäckig verteidigend,

Hoffnungslosigkeit und Trübsinn.

Regentropfen an einer Fensterscheibe

Der Mond

Mond am Morgenhimmel vor Birkenzweigen

 

Die feurige Nacht inmitten funkelnder

Sterne ist vorüber.

 

Bleich und einsam steht er am grauen

Morgenhimmel, behangen mit kahlen

Birkenreisern.

Spöttisch umflattern ihn kreischende

Rabenvögel, während er am Horizont

Hinter der Nebelwand versinkt.

Farbwechsel

Nach Morgentau

rauhreifweiße

funkelnde Pracht

bedeckt Seelengrau.

 

Sonne steigt gülden,

Hoffnung sacht.

Luft lau vertropft

die funkelnde Pracht.

 

Ein Rinnsal sickert

durch die Alptraumnacht,

endet in Morgentau

unter Himmelblau.

 

Niemand lacht – Seele grau.

Raureif am Kirschbaumzweig

Poems

Sommermotto

Tauche einen Pinsel in das Tränennaß,

überarbeite die graue Schicht auf der Seele

mit den Farben des Sommers – in Lasur.

Regenbogenfarben auf Naturpapier

Sommerwind

verwelkter Blumenstrauß

Sommerwind weht durch dein Haus,

weht einen Strauß

bunter, heiterer Gedanken herein.

 

Zögernd leerst du den Krug mit den

traurigen, welken Blüten,

 

übergibst sie dem Wind,

er trägt sie hinaus

in das unendliche Sein.

Margerite

Margeritenblüten

 

Strahlende Margerite

Am Straßenrand

Klar und rein.

Bestreitet sie in Staub

Und Schmutz ihr Sein.

Sommer - Haiku

Sonnenblumenblüte

 

Sommermelodie,

Zum Sonnenblumenleuchten

Die Windharfe spielt.

Blauer Sommertag

Beim Gang durch den Garten

im kühlen Morgenwehen

vom Lavendelduft durchdrungen,

bleibe ich am Rande des großen Beetes stehen.

 

Dort wiegt sich im Morgentau

ein Blumenmeer in blau.

Einfühlsam behütet der Eisenhut

die rundliche Hortensie gut.

 

Die schlanke Lupinenfrau da vorn

wird zärtlich umarmt vom Rittersporn.

Die Liebesblumen tanzen quer Beet

ob irgendwo noch ein Salbei steht.

 

Im Nachbargarten stellt sich der Pfau

in seinen grün-blauen Gefieder zur Schau.

Ein Sommertag im Lavendelduft

einfach märchenblau!

Lavendelblüten

Am Strand

Collage: Meer, Muscheln, Müll

 

Schaumflocken treibt der Wind 

über den Sand.

Am Flutrand bunte Steine und

ein Muschelband.

 

Nahe den Dünen ein Mahnmal

von Wellen gestapelt.

„Ferienmüll“.

 

Ich schaue aufs Meer.

Sehe unter dem Oberflächenglanz

dunkle Tiefe. – Es ist voll Trauer.

Wo bleibt mein Protestgebrüll?

 

Oktober 1993

Der Brief

einzelnes Blatt am Zweig

 

Ein Brief fällt aus einem Stapel.

Schwebt zu Boden,

leicht wie ein Blatt vom Baum.

 

Begräbt zentnerschwer,

einen lang gehegten Wunsch

und einen Traum.

Ich bin!

Sonnenaufgang

 

Ich bin ich.

Ich bin auch du!

 

Bin Baum, bin Frucht

Und jedes Tier.

 

Bin Sonne und Wind,

bin tiefes Meer.

 

Ich bin alles!

Und ich bin nichts. –

 

Bin Herr, dein Geschöpf,

dein Kind, Vater, bin ich!

Der Teich

Der alte Teich

noch nicht ganz erforscht

liegt tief in dir verborgen,

nicht zugänglich für jedermann.

 

Dunkle Schattenflächen

treiben in Ufernähe,

am Rand sind Stolpersteine eingewachsen.

 

Aus seiner Mitte schöpfst du

täglich deinen Lebenstrunk,

dort ist er klar bis auf den Grund.

Blick auf den Teich

Abendsonne

Licht der Abendsonne hinter Bäumen

 

Die goldrote Abendsonne

taucht alles in ein warmes Licht.

Wasser plätschert aus der Tonne,

in der goldroten Abendsonne.

Zu dir komme ich mit Wonne

Schaue dein strahlendes Gesicht,

die goldrote Abendsonne

taucht alles in ein warmes Licht.

Oster - Triolett

Aus des schweren Kreuzesmitten

strahlt ein klarer Diamant.

Auch im Dulden, Danken, Bitten

aus des schweren Kreuzesmitten.

 

Jesus, der für uns gelitten

ist ein unzertrennlich‘ Band.

Aus des schweren Kreuzesmitten

strahlt ein klarer Diamant.

Sonnenstrahlen durch dunkle Zweige leuchtend